5  3 
 Result:
 not decided

PP007: "Klimawandel und Geoengineeering"


Der Bundesparteitag möge beschließen, nachstehenden Text als Positionspapier anzuerkennen:

Die Atmosphäre der Erde besteht aus verschiedenen Gasen, die durch chemische und physikalische Prozesse ein komplexes System bilden [1] und mit den Land- und Wasseroberflächen in Wechselwirkung stehen. In der Summe werden jedes Jahr von den Ozeanen und der Landoberfläche rund 750 Gigatonnen Kohlendioxid freigesetzt und etwa die gleiche Menge auch wieder aufgenommen. Im Vergleich dazu erscheinen die vom Menschen verursachten Emissionen von im Jahr 2017 von ca. 42 Gigatonnen (Gt) klein. Das Problem der menschengemachten (anthropogenen) Emissionen ist aber nicht die Menge an sich, sondern dass diese zusätzlichen Emissionen auf ein System mit einem zerbrechlichen Gleichgewicht treffen und es u. a. mit einem dramatisch schnellen Anstieg der globalen Temperatur nachhaltig stören. [2,3] Zu dem von Menschen verursachten Treibhauseffekt leisten im Jahr 2017 Kohlendioxid zu 58%, Methan zu 22%, Ozon zu 8%, Fluorchlorkohlenwasserstoffe und Lachgas zu 6% einen Beitrag. Wesentliche Ursachen sind die Nutzung von fossilen Brennstoffen, die Waldrodungen, die Viehhaltung und der Reisanbau. Von diesen Emissionen wird nur knapp die Hälfte vom Ozean und der Landvegetation aufgenommen.[3] Im Jahr 2017 waren in der Atmosphäre 829 Gt, in der Landvegetation 520 Gt und im Boden (0-3m Tiefe) 2.344 Gt Kohlenstoff gespeichert. [4] Damit kommt insbesondere der Nutzung der Kohlenstoffspeicherfunktion des Bodens und seinem Schutz eine besondere Bedeutung zu. In den Ozeanen ist ca. 50mal so viel CO2 wie in der Atmosphäre gespeichert. Sie tauschen Kohlendioxid mit der Atmosphäre aus und sind bei einer steigenden CO2-Konzentration in der Atmosphäre über längere Zeiträume auch ein wichtigter CO2-Speicher. [5] Zur Zeit werden noch ca. 30% der anthropogenen CO2-Emissionen in den Ozeanen gespeichert, wie lange noch, ist jedoch ungewiss. Durch die weitere CO2-Aufnahme der Ozeane sinkt aber ihr pH-Wert, was für kalkskelettbildene Organismen zunehmend ein Problem ist - mit bisher nicht abschätzbaren
Folgen für das gesamte Ökosystem. [6] Um die globale Temperaturerhöhung (mit einer Wahrscheinlichkeit von 67%) auf 1,5 Grad Celcsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau (Bezug das Jahr 1750) zu begrenzen, dürfen nach der aktuellen wissenschaftlichen Einschätzung die Treibhausgase in der Atmosphäre nur noch um ca. 340 Gt zunehmen. [7] Die Piratenpartei Deutschland fordert Maßnahmen zu ergreifen, welche die anthropogenen Treibhausgasemissionen in die Atmosphäre innerhalb des 1,5-Grad-Restbudgets bilanziell auf "netto-Null" zu bringen und längerfristig die Treibhausgaskonzentration auf 330 ppm, aber keinesfalls mehr als 350 ppm in der Atmosphäre zu reduzieren. Dieses war die Konzentration im Jahr 1975, bei der die globale Temperatur ungefähr der Durchschnittstemperatur des Referenzzeitraumes von 1951 bis 1980 entsprach bzw. ist die Grenze, die noch als sicher für das irdische Leben von heute eingestuft wird. [8] [9] [10]

Die Treibhausgasemissionen verteilten sich weltweit im Jahr 2016 zu 75% auf die Energiebereitstellung, zu 12% auf die Landnutzung und zu 9% auf weitere industrielle Prozesse. [9] Die schnellste und effektivste Art der Treibhausgasreduktion ist ihre Einsparung. Beispiele hierfür sind u. a.

die Reduzierung von Lebensmittelverlusten

der Stop der Abholzung von Wäldern und die Bewahrung von Mooren

eine Ernährungsanpassung mit einem verringerten Fleischkonsum in den Industriestaaten

ein verbesserter Reisanbau

die Effiziensteigerung in industriellen Prozessen

die verlustfreie Entsorgung von klimaschädlichen Kältemitteln und deren Ersatz durch weniger klimaschädliche Substanzen

die weltweite Förderung der Bildung und Selbstbestimmtheit von Frauen für eine Familienplanung, die nicht mehr durch eine soziale Absicherung mit einer hohe Anzahl an Kindern bestimmt ist

die Verringerung Transportaufkommen durch eine stärkere regionale Produktion und Vermarktung und eine Optimierung der Gütertransportlogistik auf den Straßen, Schienen und Weltmeeren, (z.B. durch eine bessere Auslastung von Transporten, die Vermeidung von Leerfahrten, die Optimierung der Tourenplanung, die Entschleunigung von Lieferketten).

Das Einsparpotential an Treibhausgasen dieser Maßnahmen liegt bei ca. 360 Gigatonnen. [12]

Das bei weitem größte Potential der Reduzierung von Treibhausgasemissionen hat die Umstellung der Energieversorgung von fossilen Brennstoffen auf Erneuerbare Energien (Strom- und Wärmeerzeugung, Elektromobilität).
Aber auch die Landnutzung muss umgestellt werden: Methoden, die bisher die Freisetzung von gebundenem Kohlenstoff förderten, können geändert werden. Land- und Forstwirtschaft sind die Wirtschaftszweige, die der Atmosphäre direkt CO2 entziehen und es binden können, und zwar durch den natürlichen Prozess der Photosynthese. Die Maßnahmen dazu sind:

die Wiederherstellung von Acker- und Weideland

die Bepflanzung von Wüstenflächen

die Renaturierung  von Mooren

die Aufforstung

der Schutz und die Renaturierung tropischer Wälder

ein ganzheitliches Weidemanagement

Nutzung des Waldweide-Konzeptes

Renaturierung und Waldwiederherstellung in gemäßigten Zonen

stärkere Nutzung tropischer Nahrungsbäume

stärkere landwirtschaftliche Nutzung in Form von Baum-Mischkulturen

Ausweitung der mehrstöckigen Agroforstwirtschaft

stärkere Nutzung von Holz als Baumaterial

Auch Umstellungen in der Gesellschaft wie z. B.

eine Konsumwende mit weniger und nachhaltigem Konsum

der Umstieg auf eine Kreislaufwirtschaft in der Produktion von Gütern

der Einsatz von umweltfreundllichen Kochherden (Biogas aus Reststoffen, "erneuerbarer" Strom)

Durch diese Maßnahmen könnten Treibhausgase von mehr als 400 Gigatonnen reduziert bzw. gebunden werden. [13]

Die bisher erwähnten Maßnahmen führen also zu enormen Einsparungen und Bindungen von Treibhausgasemissionen und sind sogar mit globalen volkswirtschaftlichen Gewinnen von mehr als 9 Billionen € im Zeitraum vom Jahr 2020 bis zum Jahr 2050 verbunden. [12,13]

Geoengineering:
Die Piratenpartei fordert, nur solche (gegebenenfalls) Geoengineering-Maßnahmen umzusetzen, die die natürlichen Prozesse der CO2-Reduktion oder -Speicherung unterstützen. Hierzu zählt der Photosynthese-Prozess mit dem Aufbau von Biomasse. Dabei sollte insbesondere die Nutzung von Pflanzenkohle Beachtung finden. Neben der langfristigen Kohlenstoffbindung zeigt sie eine humusfördernde Wirkung im Boden. Pflanzenkohle ist herstellbar in offenen, einfachen Erdgruben, aber auch in sehr effizienten, großtechnischen Anlagen.[14, 15]
Die Einbringung von aus Reststoffen gewonnener Pflanzenkohle in z. B. 10% der weltweiten Ackerflächen würde zu einer CO2-Bindung von 275 Gigatonnen führen. [14] Die technische Unterstützung natürlicher CO2-Bindungsprozesse ist risikoarm. Damit steht ein umfangreiches und ausreichendes Maßnahmenpaket zur Bewältigung der globalen Klimakrise zur Verfügung.

Auf technische Maßnahmen wie zum Beispiel das Verpressen von CO2 im Erdreich oder im Meeresboden, das Düngen der Ozeane, Partikel in der Atmosphäre anzureichern, mehr helle Oberflächen zu schaffen, die Wolkenbildung zu beeinflussen [17] muss verzichtet werden, da sie kostenaufwendig und überflüssig sind. Zudem stellen sie Eingriffe in komplexe und noch nicht vollständig verstandene Prozesse dar und sind daher mit einem nicht vertretbarem Risiko für das globale Ökosystem verbunden.

Anmerkung zum Auftauen des Permafrosts: nach einer neuen Arbeit [18] beträgt alleine die Netto-Kohlenstoff-Emission der Permafrostböden durch das unerwartet rasche Auftauen derzeit jährlich ca. 1 GT oder ca. 3,7 GT CO2. Hinzu kommen Methan- und Lachgasemissionen in beträchtlichem Umfang, die in dieselbe Größenordnung geschätzt werden, d.h. wir müssen mit einer zusätzlichen THG Emission pro Jahr von ca. 7 GT CO2 äquivalent rechnen, die bis zum Jahr 2100 um ca. 40% weiter steigen kann (RCP8.5 Szenario = weiter so wie bisher). Diese Emissionen hatte die Wissenschaft bis zu diesem Sommer in dieser Höhe noch gar nicht auf der Rechnung.


Motivation

Hinweise und Erläuterungen:

  • Argument: "Die menschengemachten Treibhausgasemissionen sind doch so gering im Vergleich zu den natürlichen Emissionen."

"Ein Beispiel macht deutlich, worum es geht: Man nehme eine Badewanne, aus deren Wasserhahn gleichviel Wasser in die Wanne strömt wie durch den offenen Auslauf abfließen kann. Die Wassermenge ändert sich in diesem Fall nicht. Wird der Wasserhahn allerdings nur ganz wenig aufgedreht, erhöht sich die Einlaufmenge im Vergleich zum gesamten Einlauf nur minimal, doch beginnt der Wasserspiegel in der Badewanne sofort zu steigen. Nach einiger Zeit wird die Badewanne überlaufen. Übertragen auf den Kohlenstoffkreislauf bedeutet dies: Die vom Menschen verursachten Kohlendioxidemissionen entsprechen einem kleinen Aufdrehen des Wasserhahns bei begrenztem Abfluss."
https://www.klimafakten.de/behauptungen/behauptung-die-co2-emissionen-des-menschen-sind-winzig

  • stärkere Nutzung von Holz als Baumaterial:

"In Brumunddal gut 140 Kilometer nördlich von Oslo wurde gerade ein Aufsehen erregendes Gebäude eröffnet. Der 85,4 m hohe Mjøstårn, der am 15. März eröffnet wurde, ist das höchste Holzgebäude der Welt, fast ausschließlich aus Leimverbindern gebaut, nur mit einer Betondecke auf den obersten der 18 Etagen um das Gebäude abzusteifen und es am Schwanken zu hindern." https://csr.dk/verdens-h%C3%B8jeste-tr%C3%A6hus-er-%C3%A5bnet-i-norge
Holz: Alter Baustoff - neu gedacht

Added on Nov 7, 2019
Submitted on Sep 25, 2020
Finished on Nov 10, 2019
+0
Viel arbeit ist hier rein gesteckt worden

Ich hab das abschluss beareitungs disskusion besucht.  >>>  Read on

+0
Inhaltlich unterstützenswert, Struktur fehlt noch

Der Text ist schwer zu lesen und sollte klarer in Abschnitte und Überschriften gegliedert werden

+0
Super bis auf Vorletzten Absatz

Technische Maßnahmen können, richtig eingesetzt, als Unterstützung dienen. Auch wenn der Fokus natürlich auf Beseitigung der Ursachen liegen sollte.  >>>  Read on