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PP015: Stellungnahme der Piratenpartei zum Thema Negative Treibhausgasemissionen ("(climate) geoengineering")


Der Bundesparteitag möge folgendes Positionspapier beschließen:

Stellungnahme der Piratenpartei zum Thema Negative Treibhausgasemissionen ("(climate) geoengineering")

Angesichts eines nur noch geringen, durch Rückkopplungen weiter gefährdeten Restbudgets an menschlichen Treibhausgasemissionen (THG) zur Einhaltung der Paris-Ziele wird die Diskussion um aktive Gegenmaßnahmen immer intensiver geführt.

Auf der Basis des Stands der Forschung vertritt die Piratenpartei folgende Haltung zu diesem Thema:

  1. Top-Priorität bleibt die möglichst rasche Senkung der THG-Emissionen auf Null, für Deutschland aufgrund der Klimagerechtigkeit nach Möglichkeit bis spätestens 2035 (insbesondere auch um Maßnahmen wie unter 2.2 und 2.3 erwähnt zu vermeiden).

  2. Angesichts der nahenden Überschreitung von 420 ppm CO2 in der Atmosphäre [1][2][7] und der Notwendigkeit, diesen Anteil längerfristig auf maximal 350 ppm zu senken [3], werden negative Emissionstechnologien im dafür notwendigen Ausmaß [4][5] befürwortet.

2.1. Bei sehr rascher Senkung der THG-Emissionen (Emissionspfade des Weltklimarats [6] der SSP1-Kategorie wie SSP1-1.9 bzw. SSP1-2.6) sind dafür zu empfehlen: Soil Carbon Sequestration (SCS = Bindung von Kohlenstoff im Boden, v.a. durch Wiedervernässung von Mooren), Afforestation = Aufforstung und Reforestation = Wiederbewaldung (AR) und Biochar (BC = Pflanzenkohle oder Terra Preta).

2.2. Bei mittlerer Senkung der THG-Emissionen (IPCC-Szenarien wie SSP2-4.5 oder SSP4-3.4 [6]) werden die obigen Techniken perspektivisch noch durch Enhanced Weathering (EC = verstärkte Verwitterung von geeigneten Silikat-Gesteinen, was CO2 bindet) bzw. bei Verfügbarkeit durch Direct Air Carbon Capture and Storage (DACCS = direkte Filterung von CO2 aus der Umgebungsluft) ergänzt, wobei beide Verfahren als energetisch und finanziell sehr aufwendig gelten.

2.3. Bei sehr hohen Emissionsszenarien (v.a. SSP5-8.5) ist die Durchführbarkeit aller oben genannten Maßnahmen im erforderlichen Ausmaß höchst fraglich. Alle verfügbaren Methoden müssten eingesetzt und evtl. um riskante (Wasserhaushalt, saurer Regen, usw.) und extrem aufwendige Ansätze wie RFG (Radiative Forcing Geoengineering = Manipulation des irdischen Strahlungshaushalts) ergänzt werden, wovon wir nachhaltig abraten.

Einzelnachweise

[1] Trends in Atmospheric Carbon Dioxide, Mauna Loa Observatory, Hawaii: March 2021: 417.64 ppm; trend without seasonal effect: ~416 ppm https://www.esrl.noaa.gov/gmd/ccgg/trends/

[2] Carbon dioxide concentration at Mauna Loa Observatory, Scripps Institution of Oceanography, UC San Diego: https://keelingcurve.ucsd.edu/

[3] James Hansen, Makiko Sato, Pushker Kharecha, David Beerling, Robert Berner, Valerie Masson-Delmotte, Mark Pagani, Maureen Raymo6, Dana L. Royer, James C. Zachos: Target Atmospheric CO: Where Should Humanity Aim? The Open Atmospheric Science Journal, Volume: 2, 2007, p: 217-231. http://dx.doi.org/10.2174/1874282300802010217 https://openatmosphericsciencejournal.com/VOLUME/2/PAGE/217/

[4] O. Rueda, J.M. Mogollón, A.Tukker, L. Scherer: Negative-emissions technology portfolios to meet the 1.5 °C target, Global Environmental Change, Volume 67, March 2021, 102238. https://doi.org/10.1016/j.gloenvcha.2021.102238

[5] Katharine Wilkinson (Hrsg): The Drawdown Review – Climate Solutions for a New Decade, Project Drawdown, San Francisco (CA), 2020. https://drawdown.org/sites/default/files/pdfs/TheDrawdownReview%E2%80%932020%E2%80%93Download.pdf

[6] Dieter Kasang: SSP-Szenarien (Shared Socioeconomic Pathways für den 6. Sachstandsbericht des IPCC), Hamburger Bildungsserver, 2021‎-03-21 https://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/SSP-Szenarien

[7] MetOffice: 50% increase in atmospheric CO2/50% Anstieg atmosphärischen CO2 https://www.metoffice.gov.uk/research/news/2021/record-co2-levels-despite-lower-emissions-in-2020


Motivation

Schon seit dem 5. Sachstandsbericht des IPCC (Weltklimarats) von 2013/2014 werden NETs (Negative Emissionstechnologien) als kaum vermeidbar betrachtet, um das Erdklima wieder in einem für Menschen akzeptablen Bereich zu stabilisieren. Selbst bei aktuell noch nicht absehbarer rascher Senkung der THG-Emissionen in die Erdatmosphäre sind nötige Gegenmaßnahmen aufgrund der hohen CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre nicht mehr auszuschließen.

Hierbei müssen alle Maßnahmen hinsichtlich Durchführbarkeit, Verträglichkeit mit allen planetaren Grenzen, Finanzierbarkeit und sozialer Verträglichkeit überprüft werden.

Relativ günstige Maßnahmen i.a. hoher Akzeptanz (evtl. Ausnahmen gibt es wie Wiedervernässung von Mooren und weiterer Feuchtgebiete auf aktuellen landwirtschaftlichen Flächen) sind SCS, AF und BC, d.h. biologische Ansätze, die zugleich die Einhaltung weiterer planetarer Grenzen befördern und positive Effekte wie eine Verbesserung der Bodenqualität mit sich bringen.

Nicht praktikabel in großem Stil ist z.B. BECCS (biological enhanced CCS) wegen der starken Flächenkonkurrenz von Energiepflanzen mit natürlichen Lebensräumen und landwirtschaftlicher Produktion.

Sehr problematisch sind RFG-Methoden einerseits wegen des hohen Aufwands (Weltraumspiegel z.B.) oder gefährlicher Nebenwirkungen (chemisch/biologisch wirksame Aerosole wie Schwefel bei SAI (Stratospheric Aerosol Injection) oder Kalkpartikel wegen Wasserkreislauf, Änderung pH-Wert usw.).

DACCS ist z.Zt.noch nicht großtechnisch darstellbar und wegen des hohen Energiebedarfs sehr herausfordernd. Die Speicherung von Kohlenstoff muss auf nicht riskante Art und Weise geschehen, die Absorptionsverfahren für CO2 aus der Luft müssen noch großtechnisch skaliert werden und der Energiebedarf dafür ist entweder mit einer ungefähren Verdopplung der elektrischen Energiegewinnung mit erneuerbaren Energien oder noch nicht einsatzreifen Technologien wie Fusionsreaktoren zu decken. Der Einsatz dieses Verfahrens wöre bei hohen Emissionsszenarien möglichst früh (ca. ab 2035) notwendig. Zur Speicherung kann bei Reduktion oder Methanpyrolyse die künstlich gewonnene Aktivkohle endgelagert oder zur Bodenaufwertung verwendet werden; als Kohlenstoffdioxid wäre eine sichere Lagerung in leeren Gasfeldern und Aquiferen möglich, was z. B. in Norwegen seit 1996 bereits im überschaubaren Umfang getan wird.

Created by pawel_localadmin
Added on May 5, 2021
Submitted on May 6, 2021
Voting ends at May 29, 2021, 12:00:00 AM