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Änderung 8 Energiepolitik Neuer Antrag Klimaneutralität bis 2030


Der Bundesparteitag möge beschließen, im Wahlprogramm zur Bundestagswahl den folgenden Punkt als neuen direkten Unterpunkt des Kapitels 8. “ Energiepolitik” neu einzufügen.

Deutschland soll bis 2030 klimaneutral werden um eine Chance zu haben die Erderwärmung auf 1,5 bis 1,75 Grad zu beschränken.


Motivation

Zur Einhaltung des 1,5 Grad Celsius Ziels des Paris-Abkommens, was dem Sicherheitsbedürfnis der Menschheit hinsichtlich auch künftig annehmbarer Lebensbedinungen entspricht, muss die anthropogene Treibhausgasemission (i.W. in dieser Reihenfolge Kohlen(stoff)dioxid, Methan, Lachgas und perspektivisch auch Schwefelhexafluorid) schnellstmöglich soweit verringert werden, dass der Strahlungsantrieb bzw. das CO2-Äquivalent der Treibhausgase nicht weiter erhöht wird.

Das Restbudget für Treibhausgase, insbesondere Kohlenstoff in der Atmosphäre, ist nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen deutlich gesunken und kann nach einem Artikel von Lenton und Kollegen (Nature, Anfang Dezember 2019) sogar noch deutlich darunter liegen. Das liegt v.a. am vorschnellen Abtauen des Permafrosts und sogar weniger an dem hohen Risiko des baldigen Kollaps des Amazonas-Regenwalds.

Die Klimagerechtigkeit erfordert, dass alle Menschen dasselbe pro-Kopf-Restbudget an Emissionen erhalten. Anmerkung: dies ist keine wirklich starke Forderung, denn wenn man die historischen Emissionen verschiedener Länder, darunter Deutschland, einbezieht, dürfte z.B. Deutschland jetzt schon keinerlei Treibhausgasemissionen mehr verursachen.

Als über dem Durchschnitt (ungefähr das Doppelte des Durchschnitts) liegender Emittent muss daher Deutschland schneller als der Länderdurchschnitt seine Emissionen reduzieren. Basierend auf einer Rechnung von Prof. Rahmstorf vom PIK (Frühjahr 2019, s. scilogs) ergaben Kalkulationen von Scientists for Future, dass für Deutschland Klimaneutralität bis 2030 bzw. von jetzt an in 10 Jahren zu fordern ist. Wohlgemerkt bezieht sich diese Ziellinie nicht auf eine Temperaturerhöhung von 1,5, sondern 1,75 Grad Celsius global, was als letzte halbwegs sichere Linie gegen einen Absturz in die Heißzeit gilt.

Anmerkung: Geoengineering ist hierbei nicht einkalkuliert, dies ist in nennenswertem Ausmaß, wenn überhaupt, erst in der zweiten Jahrhunderthälfte möglich. D.h. von einigen kleineren, biologisch basierten Maßnahmen (wie Stoppung von Abholzung, Wiederaufforstung, verbesserte Landnutzung v.a. durch geringeren Fleischkonsum, Unterpflügen von Pflanzenkohle, Renaturierung von Feuchtgebieten und Mooren und Maßnahmen in Wüsten außerhalb Deutschlands) abgesehen dienen solche späteren Methoden nur dazu, die Verhältnisse auf der Erde wieder auf ungefährliche Bereiche zurückzustellen. So muss die derzeit bei ca. 410 bis 418 ppm (Rekord, wurde erstmals im Mai 2020 erreicht) liegende CO2-Konzentration wieder auf maximal 350 ppm (Niveau von 1987) gesenkt werden, der Temperaturanstieg gegenüber dem vorindustriellen Niveau auf deutlich unter 1 Grad Celsius (2019: 1,1 Grad Celsius) heruntergefahren und auch der Stickstoff- und Phosporkreislauf wieder vom derzeit stark erhöhten Niveau auf Werte unterhalb der planetaren Grenzen gesenkt werden, um nur ein paar wichtige Beispiele zu nennen.

Es ist klar, dass dies insbesondere im Wärmebereich (Gebäude haben eine Erneuerungsrate von einmal in 50 bis 100 Jahren) nur mit einem Klimaschutz in der Art eine Generalmobilmachung möglich ist, angesichts der geringen verbleibenden Zeit und des für die Menschheit und von dieser v.a. den jüngeren und noch nicht geborenen Menschen untragbaren Risikos muss dieser Weg dennoch eingeschlagen werden.

Am schwierigsten wird dieses Ziel im Wärmesektor zu erreichen sein, dafür müssen die anderen wie z.B. Strom- und Verkehrssektor sowie Landwirtschaft (weniger Fleischproduktion, weniger Kunstdünger) schneller heruntergefahren werden. S.a. Antrag zur massiven CO2-Besteuerung. Und es ist notwendig, für den Wärmeumbau unverzüglich gezielt viele Menschen zu schulen, um ihn bewerkstelligen zu können. - Im Übrigen wird Deutschland so nicht nur genug Arbeit generieren, sondern auch technisch vorangehen, was nicht zu unserem Nachteil ist.

Geht nicht gibt's nicht: wenn wir nicht schnell handeln, fahren wir das Erdsystem zuverlässig an die Wand, es müssen also auch hohe Kosten in Kauf genommen werden, um die große Katastrophe abzuwenden, die übrigens noch weit höhere Kosten mit sich bringt, selbst wenn sie (unwahrscheinlich) nicht zum totalen Zusammenbruch der globalen menschlichen Zivilisation führen sollte (da brauchen wir inzwischen schon sehr viel Glück für).
Neuseelands Ministerpräsidentin hat das Ziel 2030 auch schon ins Auge gefasst, obwohl Neuseeland im Climate Change Performance Index aktuell (2019) noch hinter Deutschland liegt.

Created by orca
Added on Sep 24, 2020
Submitted on Sep 25, 2020